
Jungprofi Sonny Kittel ist nach seinem Kreuzbandriss wieder fit. Der 19-jährige Gießener bekommt Lob von Eintracht Frankfurts Trainer Armin Veh.
Neulich, da war Heiko Butscher noch nicht da und von Patrick Helmes nicht mal die Rede, hat Armin Veh, der Trainer des Fußball-Zweitligisten Eintracht Frankfurt, schon von seinem „ersten Neuzugang“ geschwärmt. Bei ihm sehe man: Er habe Qualität, „er hat was Besonderes, er ist ein guter Junge“. Armin Veh sprach da von einem gerade 19 Jahre alt gewordenen Gießener, er sprach von Sonny Kittel, dem Mittelfeldspieler.
Vergleiche mit Özil
Tatsächlich nimmt der blonde Junge mit dem guten Auge gerade einen zweiten Anlauf, vielleicht muss er auch schon seine Karriere retten, so kurz sie bislang auch erst war. Kittel hat achtmal in der Bundesliga gespielt, erstmals Ende August 2010 gegen den HSV, Michael Skibbe war da noch der Trainer. Kittel ist B-Jugend-Meister unter Trainer Alexander Schur geworden und ist schon in jungen Jahren mit reichlich Vorschusslorbeeren überschüttet worden. Oft fiel da auch der Name Mesut Özil, mit dem er verglichen wurde, er selbst findet Andrés Iniesta gut, aber sein größtes Meisterstück hat er noch vor sich: einfach nur zurückkommen, oder besser: erst mal richtig anfangen.
Es war der 19. April des vergangenen Jahres, als ihm „das schlimmste Erlebnis meines Lebens“ widerfuhr. Das Datum wird er nie vergessen, ein paar Tage zuvor hatte er zum zweiten Mal von Anfang an in der Profimannschaft von Eintracht Frankfurt gestanden, es ging gegen Werder Bremen, Abstiegskampf pur, aber Kittel hatte gute Kritiken bekommen, von Mitspielern, der Presse, von Trainer Christoph Daum. Im Training also riss bei einem Sprint ohne Einwirkung des Gegners das Kreuzband im rechten Knie, eine der schlimmsten Verletzungen. „Klack, klack hat es gemacht“, sagt Kittel, er lacht sogar.
Druck auf Köhler
Das kann er wieder, die Leidenszeit ist vorbei. Und Kittel genießt die Zeit in Doha sichtlich, er hat Spaß am Ball, er blüht regelrecht auf. „Er ist ein überdurchschnittliches Talent“, sagt Veh, der ihn behutsam heranführen will ans Team. Sonny Kittel ist im Mittelfeld vielseitig einsetzbar, auf beiden Flügeln, aber im Geheimen hofft Veh, dass der junge Mann Benjamin Köhler auf der linken Seite Druck macht, vielleicht schafft es Kittel auch bald in die erste Elf. „Wenn er gesund ist, wird er seinen Weg gehen“, prophezeit Veh. Aber reicht es schon für den Aufstiegskampf in der Zweiten Liga? Das Potenzial dazu hat er. „Er hat ein richtig gutes Auge für die Situation, und er hat eine sehr gute Technik gepaart mit Schnelligkeit“, beschreibt ihn Veh. Mit 17 Jahren hat er erstmals mit den Profis trainiert, da zählte Kittel noch zum jüngeren A-Jugend-Jahrgang. Seit der F-Jugend, seit er sechs Jahre alt ist, spielt er bei der Eintracht. Zeitweise lebte er einen Abschlag entfernt vom Stadion in einem Zimmer in der Otto-Fleck-Schneise.
Eintracht Frankfurt hat dem Rohdiamanten viel Zeit gegeben. Acht Monate durfte Kittel pausieren (häufig fangen Fußballer nach einer Kreuzband-OP schon nach einem halben Jahr wieder an), behutsam wurde er im Training herangeführt, nur nichts überstürzen, inzwischen ist er soweit, Artenschutz gibt es nicht mehr für den Gießener. Kittel selbst sagt, die Angst „ist noch nicht ganz weg“, in die Zweikämpfe geht er noch nicht „mit 100 Prozent. Aber wenn ich das erste Mal umgetreten werde und das Knie hält, weiß ich Bescheid.“ Über dem rechten Knie verläuft eine rund zwölf Zentimeter lange Narbe.
“Ein paar Minuten spielen”
Am Freitag vergangener Woche hat Sonny Kittel, dessen Eltern aus Polen stammen und der wegen der Verletzung seine Ausbildung zum Verkäufer im Eintracht-Fan-Shop unterbrochen hat, erstmals wieder gespielt, im Testspiel gegen den Drittligisten VfR Aalen. „Ein super Gefühl war das“, sagte er in Doha und strahlte mit der Sonne um die Wette, sogar ein Tor hat er erzielt. So kann es weitergehen, auch wenn er selbstkritisch sagt, er müsse sich noch an den Spielbetrieb gewöhnen. Sein Ziel sind: „Ein paar Minuten spielen.“ Und womöglich irgendwann wieder mal gegen Philipp Lahm und Thomas Müller spielen. Wie bei seinem allerersten Einsatz in der Bundesliga von Anfang an. Da hatte der junge Mann viel Lehrgeld bezahlen müssen. Womöglich kann er es in den nächsten Monaten zurückbekommen.

Eintracht gewinnt gegen Aalen
Einen Tag vor der Abreise ins Trainingslager nach Katar gewinnen die Frankfurter locker mit 3:0 gegen Drittligist Aalen. Sonny Kittel meldet sich mit einem Tor zurück.
Einen Tag vor der der Abreise ins Trainingslager in Katar (14. bis 24. Januar) gewann Fußball-Zweitligist Eintracht Frankfurt ein Testspiel gegen den Drittligisten VfR Aalen durch Tore von Meier, Schwegler und Kittel locker und leicht mit 3:0 (1:0). Trainer Armin Veh war trotz der schlechten Chancenverwertung in der ersten Halbzeit (“da mussten wir drei, vier machen“) zufrieden. In Katar sind zwei weitere Testspiele geplant. Die Gegner stehen noch nicht fest. Zur selben Zeit haben aber auch die schwedische Nationalmannschaft und Schachtjor Donezk ihr Trainingscamp in Doha bezogen.